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Trauer ist keinen Krankheit, sondern eine kritische Phase im Leben von Menschen. Trauer bedarf deshalb in der Regel auch keiner Therapie. Trauernde Menschen fühlen sich allerdings in unserer Zeit mit ihrem Schmerz oftmals allein und verlassen. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe mitmenschlichen Handelns, den trauernden Menschen in unserer Nähe wahrzunehmen und ihm zu zeigen, dass wir ihn und seine Trauer wahr- und ernst nehmen.

Was trauernden Menschen am wenigsten hilft, sind Tröstungsversuche. Wirklichen Trost können sie nur darin finden, wenn der verlorene Mensch ihnen  wieder zurückgegeben würde. dass dies nicht möglich ist, macht ihre Trauer aus.

Was trauernde Menschen benötigen, ist das Gefühl, dass ihnen ein anderer Mensch nahe ist, sie nicht isoliert und unverstanden ihr Leben weiterleben müssen. Die Unsicherheit, die wir in der Begegnung mit trauernden Menschen empfinden, kann gemindert vermag die Formulierungen von 4 Aufgaben, wie sie der amerikanische Trauerforscher Worden vorschlägt, hilfreich sein. Trauerbegleiterinnen und –Begleiter sollen deshalb:

1.  Die Realität des Todes für die Hinterbliebenen deutlich wahrnehmbar machen.
Dies scheint zunächst ein denkbar ungeeignetes Handeln gegenüber trauernden Menschen zu sein; denn ist nicht gerade diese Realität es, die Anlass zur Trauer gibt? - Gerade in der sensiblen Phase am Beginn der Trauer jedoch sind die Hinterbliebenen durch den Schock, in dem sie sich befinden, wenig reaktionsfähig und aufnahmefähig für das Geschehen. Trauerbegleitung soll sie hier unterstützen, den Verlust so intensiv wie möglich mit allen Sinnen wahrzunehmen. Hierzu gehört es z. B., dass der Verstorbene noch einmal (besser noch: wiederholt) angesehen kann wird. Die Hinterbliebenen sollten Gelegenheit bekommen, möglichst viele der Tätigkeiten, die jetzt notwendig sind (Traueranzeige, Regelung der Beerdigung etc.) selbst zu erledigen. Hierzu benötigen bisweilen Ermutigung – aber auch Entlastung von Alltagsaufgaben, die jetzt nachrangig sind.

2. Die Hinterbliebenen den Schmerz der Trauer durchleben lassen.
Dies mag die Schwierigste Aufgabe der Trauerbegleitung sein. Sie beinhaltet, dass dem Trauernde Menschen immer wieder und wieder Gelegenheit gegeben wird, seine Trauer auf die ihm gemäße Weise auszudrücken. Ein äußerst schmerzhafter und mühsamer Prozess. Was den Schmerz der Hinterbliebene lindern kann, ist - so paradox das zunächst erscheinen mag - die Erlaubnis, diese Erinnerung zuzulassen. Angehörige spüren einen tiefen Drang, wieder und wieder über den verstorbenen Menschen zu sprechen, das vergangene Ereignis wieder lebendig werden zu lassen. Sie möchten über gute und schlimme Erinnerungen sprechen, Bilder wieder lebendig werden lassen, auch wenn es noch so schmerzlich ist. Schlimmer noch ist der Schmerz, wenn all dies unterdrückt werden muss. Als besonders hilfreich haben sich in dieser Phase Selbsthilfegruppen erwiesen, die es allerdings bislang in Deutschland fast nur im Bereich trauernder Eltern gibt.

 
3.  Den Hinterbliebenen die Neuorientierung erleichtern, in einer Welt, in der der verstorbene Mensch fehlt.
Für diese Aufgabe benötigen die Hinterbliebenen meist nur wenig unmittelbare Hilfen. Allerdings braucht es hier vielfach nachdrückliche und beständige Ermutigung, dass die neu gewonnen Selbständigkeit „erlaubt“ ist und nicht ein „Hintergehen“ des Verstorbenen bedeutet.


4.  Schließlich: die Hinterbliebenen ermutigen, neue liebevolle Beziehungen einzugehen.
Vielleicht die schwierigste der vier Aufgaben und oft erst viele Jahre nach dem Verlust möglich: Die Fähigkeit, einen Teil der intensiven Gefühle vom verstorbenen Menschen abzuziehen und das Wagnis einer neuen Liebe einzugehen. So beschreibt Worden diese Aufgabe. - Die Erinnerung an das, was war, muss nun nicht mehr ängstlich festgehalten werden. Der Schmerz ist noch deutlich spürbar, wenn das schreckliche Ereignis zur Sprache kommt. Aber es ist auch genügend Raum für die angenehmen Erinnerungen an fröhliche, gute Zeiten mit dem Verstorbenen.
Dass neue Liebe auch die Gefahr neuer Schmerzen bedeuten kann, ist fest im Bewusstsein der Hinterbliebenen verankert. Aber der Mut ist erstarkt, dieses neue Risiko wieder einzugehen. Freude und Lust sind vielleicht nicht mehr so überschäumend, gewiss auch nicht mehr so unbelastet wie sie einmal waren. Aber es gibt da ein tiefes Wissen um den Sinn des Regenbogens, das Wissen darum, dass Gott - oder wie sein Name auch sonst sein mag - es nicht zulassen wird, dass es noch schlimmer kommt. Ein Wissen auch um die eigene, neu gewonnene Stärke.


Literaturhinweise:

Worden, J.W.:
Beratung und Therapie in Trauerfällen.
Verlag Huber, Bern 1999

Student, J.-C. (Hrsg.):
Sterben, Tod und Trauer – Handbuch für Begleitende.
Verlag Herder, 2. Auflage, Freiburg 2006

 

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